Donnerstag, 24. März 2011

Auf dem Seitenstreifen des Lebens?

Vielleicht kein schönes Thema um mit dem Schreiben anzufangen, aber es ist nun mal so. Die Gedanken, die mir zurzeit durch den Kopf gehen, drehen sich um das Thema "was mach ich noch auf meinem Leben"?
Ich bin 43, ledig, kinderlos, arbeitslos und werde keine Rente bekommen, da ich nicht genug eingezahlt habe. Ich sehe kaum mehr Chancen, irgendwo noch eine Arbeit zu bekommen, bei der man nicht total ausgesaugt wird um nach kurzer Zeit als leere Hülle weggeworfen zu werden. Die letzten Jahre im Niedriglohnsektor (vorrangig CallCenter-Jobs und Zeitarbeit) haben zu dieser Einstellung beigetragen. Selbständigkeit liegt auch schon hinter mir. Berufliches Scheitern.
Dank der Tabletten "funktioniere" ich mittlerweile wieder, und führe ein halbwegs normales Leben. Aber so wie jedes Ding zwei Seiten hat, gibts auch hier einen schwerwiegenden Effekt: keine Libido mehr. Ach, werden manche denken... mit 43 sollte man schon gelebt haben. Hat Frau auch. Aber Sexualität ist auch eine gewisse "Kraft", die einen voran treibt. Zumindest hab ich das immer so empfunden.
Oft hörte ich, dass es hilft, die Dinge aufzuschreiben. Um sich zu distanzieren, um sie irgendwie "loszuwerden", was auch immer. Nun gehe ich der Sache auf den Grund. Es wäre aber auch schön, durch Kommentare wieder eine andere Sicht zu bekommen... ich bin offen für Feedback. Solange es keine Lebenshilfe-Tipps sind wie "Kopf hoch, das wird schon wieder"... "Such dir Arbeit"... "Unternimm was"...
Viel mehr bin ich daran interessiert, wie andere Menschen ihr eigenes Leben "erleben" und ob ich vielleicht doch nicht so alleine mit meinen Gedanken da stehe.
Allein durch Arbeitslosigkeit ist man zu oft den "gut gemeinten Lebenshilfe-Tipps" anderer Leute ausgesetzt, die im Grunde nicht nützen sondern eher schaden. Nützen tun sie wohl eher der anderen Seite, die sich nach solch einer "Anteilnahme" dann auch noch gut fühlt, in dem Glauben "geholfen" zu haben.
Es ist auch nicht ganz einfach, wenn man nie selbst Depressionen hatte und nicht mal im Ansatz versteht, was das Krankheitsbild im Grunde ausmacht.
Trotzdem möchte ich jede/n, der/die sich angesprochen fühlt, herzlich auffordern, hier zu posten!

vybzbild

Kommentare:

  1. Gut geschrieben. Ich kann dir nur voll zustimmen. Und das schreiben hilft wirklich, kann ich selbst nur bestätigen. Bin gespannt auf weitere Texte.

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  2. Hey Vyb...
    einen guten Rat könnte ich dir so und so nicht geben.. in der Position war ich nie.
    Aber wenn ich an meine Zukunft denke, ist dort auch nichts als Unsicherheit. Worte wie Rente oder Lebensziel habe ich schon lang aus meinen Gedanken verbannt.. ich komme ja jetzt schon nicht mit meinen Geld aus und das trotz eines relativ guten Verdienstes. Das diese Traumschlösser die man sich nur allzu gerne zurecht spinnt und als Zukunft sieht, sich auflösen wie der Morgennebel in der Sonne.. das hab ich wohl gelernt.
    Was bleibt? Zumindest mal... man selbst. Zum Glück habe ich den Trotz.. die Wut nicht ganz verloren. Das hilft über die traurigen Momente hinweg zu kommen. Ebenso wie manche Menschen. Es ist alles andere als selbstverständlich solche kennen.
    Ich kenne da eine Frau, der könnte ich alles anvertrauen. Ich habe sie niemals schlecht, nachtragend oder missgünstig erlebt. Immer offen, immer sensibel... wahrscheinlich macht das gerade verletzlich. Sie ist eine der wenigen Menschen die ich wirklich schätze!

    Ich versuche zu lernen, die Dinge anders zu sehen und anders als bisher zu bewerten... gelungen ist mir das noch nicht wirklich ;) Aber wenn alles Hoffnungslos erscheint, so weiß man wenigstens noch, was Hoffnung ist.

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Vielen Dank für deinen Kommentar.
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